Warum es hilft, sich der Vergänglichkeit bewusst zu sein

Sterben? Tod? Das Ende?

Wie geht es dir, wenn du diese Worte liest? Fühlt sich das alles für dich noch in weiter Ferne an? Lösen diese Worte etwas Unbehagen aus? Oder blickst du diesem Thema völlig gelassen entgegen?

Gerade kürzlich wurde ich mit dem Tod konfrontiert, völlig überraschend. Obwohl es niemand aus der engsten Familie war, so war es doch jemand, den ich von Kindestagen an kannte und der sehr plötzlich von uns gegangen ist. Als ich die Nachricht gelesen habe, war in meinem Büro gerade eine hitzige Diskussion zugange. Über dies und das. Was es war, hat inzwischen vermutlich jeder der Beteiligten schon wieder vergessen, in jenem Moment schien es aber das Bedeutendste der Welt zu sein.

Es bedurfte nur das Lesen des Wortes „gestorben“, um mich in Sekundenschnelle wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Bumm zack. Innerhalb von Minuten oder sogar Sekunden kann sich alles ändern und dann? Nichts würde mehr so sein, wie es mal war.

Wie uns das Bewusstmachen von Vergänglichkeit helfen kann

Die unerwartete Konfrontation mit Vergänglichkeit lässt mich innehalten und mich fragen, was ich vom Leben wirklich will? Wieviel Groll möchte ich mit mir herumtragen, nur weil ich mich von jemandem angegriffen oder übergangen fühlte, ohne ehrlich zu wissen, ob dieser jemand das bewusst gemacht hat.

Groll mit uns herumzutragen ist wie das Greifen nach einem glühenden Stück Kohle in der Absicht, es nach jemandem zu werfen.  Man verbrennt sich nur selbst dabei. (Buddha)

Und meine ganzen Ängste? Gegenüber heute und morgen, gegenüber der Zukunft. Sehr phantasiereich und auch überzeugend ist mein Verstand, wenn es darum geht, Situationen gegen mich zu interpretieren und dabei Ängste zu schüren. Oder wenn es darum geht, mich davon zu überzeugen, warum ich für dies oder das noch nicht bereit bin. Diesen Blog auch über Social Media zu verbreiten? Nein, ich bin noch nicht reif und gut genug. Achtsamkeitseinheiten für andere anbieten? Nein, dazu fehlt mir noch diese und jene Ausbildung und natürlich die Erfahrung. Und so zieht sich das durch, egal, um welches Thema es geht.

Ein großer Teil der Sorgen besteht aus unbegründeter Furcht. (Jean Paul Sartre)

Vergänglichkeit ist allgegenwärtig –  das zeigt sich allein schon im Wechsel der Jahreszeiten oder an den in die Brüche gegangenen Beziehungen sowie Freundschaften, weil man sich in unterschiedliche Richtungen entwickelt hat.  Der Tod von Menschen in unserem näheren Umfeld zwingt uns allerdings förmlich, uns mit unserer eigenen Vergänglichkeit auseinanderzusetzen und auf unser derzeitiges Leben genauer hinzusehen. So traurig eine solche Situation auch immer ist und das ist unbestritten, so kann uns die Konfrontation mit Vergänglichkeit doch auch einen neuen Blickwinkel eröffnen.

Denn: Wenn ich mir bewusst mache, dass es nicht in meiner Macht liegt zu bestimmen, wieviel Zeit mir hier auf Erden noch bleibt, gibt mir das vielleicht einen Anstoß, darüber nachzudenken, was mir wichtig ist. Der Gedanke an die Vergänglichkeit spornt mich zum Beispiel an, dem Tag bewusste Zeiten für die Dinge einzuräumen, die für mich wesentlich sind. Und wenn es unter der Woche nur der Spaziergang am Morgen in Richtung Arbeit ist, mit welchem ich mir eine persönliche Achtsamkeitszeit schaffe oder die kurze Nachricht an jemanden, weil ich gerade an ihn denke oder ich mich einfach bedanken möchte.

Durch das Bewusstmachen der Vergänglichkeit spüre ich auch mehr Toleranz gegenüber meinen Mitmenschen, da ich mir zum Beispiel nie sicher sein kann, ob ich nach einem Streit noch die Möglichkeit einer Versöhnung habe. Mir wird so auch bewusst, welche Lappalien mich oftmals in der Arbeit und in meinem Umfeld nerven. Denn, wenn ich mir ehrlich bin – die meisten Dinge, über die ich mich maßlos aufrege, haben am nächsten Tag schon kaum Bedeutung mehr, geschweige denn in ein paar Jahren.

Rausfinden, was dir wichtig ist

Die Frage, was wir machen würden, wenn wir nur noch einen Tag zu leben hätten, ist dir bestimmt schon genauso oft untergekommen wie mir. Aus meiner Sicht spornt diese Frage uns aber nicht an, darüber nachzudenken, was wir im Leben wirklich noch erreichen möchten. In den meisten Fällen würde die Antwort wohl Zeit mit den Liebsten oder das Bereinigen von offenen Konflikten sein.

Für mich macht es daher mehr Sinn, sich die Frage zu stellen, was man bereuen würde, nicht gemacht zu haben? Woran hat dich bis zuletzt deine Angst gehindert, mutig zu sein und es auszuprobieren?

Angst beginnt im Kopf, Mut auch. (Unbekannt)

– Ein Zitat, dessen Verfasser zwar unbekannt ist, aber das es exakt auf den Punkt trifft.

Auch wenn Gespräche über den Tod und die Vergänglichkeit in unseren Breitengraden selten ohne Anlassfall geführt, sondern eher vermieden werden, so lohnt es sich, dass wir uns bewusst machen, dass wir nicht unendlich Zeit für unsere Vorhaben haben. Diese Bewusstheit könnte dann sogar dazu führen, dass der Mut die Angst überholt und sie endlich hinter sich lässt, um etwas zu verwirklichen, das bisher von der Angst gehindert wurde.

 

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