Was Neujahrswünsche den Vorsätzen voraushaben

Verschneiter Weg mit Sonnenschein und Seifenblasen

Die Tage zum Jahresende hin waren sehr intensiv für mich, aber nicht, weil ich damit zu tun hatte, von einem Verwandtenbesuch zum nächsten zu hetzen oder den Hüftspeck vom ausgiebigen Schlemmen rund um die Weihnachtsfeiertage im Fitnesscenter abzutrainieren, sondern weil ich ganz mit mir war. Grund war der Besuch eines fünftägigen Schweigeretreats im ZENtrum am Mondsee.

Über die durchaus intensiven Erfahrungen dort berichte ich bestimmt ein anderes Mal. Was mich zu meinem heutigen Beitrag veranlasst hat und auch Thema am Retreat war, ist unser Umgang mit dem Jahresbeginn.

Bist du eher der Typ für strikte Neujahrsvorsätze wie mehr Sport – weniger ungesund ernähren – aufhören zum Rauchen? Oder: Siehst du dem neuen Jahr positiv und ohne große Selbstgeißelung entgegen und fokussierst du dich auf deine Wünsche und das, was du erreichen möchtest?

Julia Engelmann, eine inzwischen sehr bekannte Poetry-Slammerin hat mich schon vor langer Zeit mit ihrem Text „Eines Tages, Baby, werden wir alt sein“ sehr berührt. Auszugsweise lautet der Text:

Und eines Tages, Baby, werde ich alt sein. Oh Baby, werde ich alt sein

und an all die Geschichten denken, die ich hätte erzählen können.

Und Du? Du murmelst jedes Jahr neu an Silvester

die wiedergleichen Vorsätze treu in dein Sektglas

und Ende Dezember stellst Du fest, dass du Recht hast,

wenn Du sagst, dass Du sie dieses Jahr schon wieder vercheckt hast.

Dabei sollte für Dich 2013 [2019] das erste Jahr vom Rest deines Lebens werden.

Du wolltest abnehmen,

früher aufstehen,

öfter rausgehen,

mal deine Träume angehen,

mal die Tagesschau sehen,

für mehr Smalltalk, Allgemeinwissen.

Aber so wie jedes Jahr,

obwohl Du nicht damit gerechnet hast,

kam Dir wieder mal dieser Alltag dazwischen.

Klingt traurig, ich weiß, aber nur im ersten Moment. Falls du den Text noch nicht kennst und ich dein Interesse geweckt habe, dann höre ihn dir am besten im Gesamten auf YouTube an und lasse ihn auf dich wirken.

Denn: Was der Text und auch der Besuch des Retreats mir gezeigt haben, ist, dass es mir hilft, das neue Jahr mit positiven Gedanken und Wünschen zu starten und nicht mit den jedes Jahr gleichen Vorsätzen, die Mitte Jänner vielleicht schon wieder vergessen sind oder mich mangels Umsetzung nur mehr frustrieren und mir das Gefühl geben, (schon wieder) versagt zu haben.

Das neue Jahr sieht mich freundlich an, und ich lasse das alte mit seinem Sonnenschein und Wolken ruhig hinter mir. (Goethe)

Dir die Zeit zu nehmen, darüber nachzudenken, was du dir für das neue Jahr aus deinem Herzen heraus wirklich wünschst, lässt dich bestimmt mit einem besseren Gefühl in das neue Jahr starten als der Gedanke darauf, auf welche Laster du die nächsten 365 Tage verzichten möchtest. Und Herzenswünsche umzusetzen fällt auch leichter als Vorsätze, die man zwar rational für gut hält, aber für die man vielleicht im Moment noch nicht ganz bereit ist oder deren Form der Umsetzung für uns nicht geeignet ist.

Natürlich spricht nichts dagegen, Neujahrsvorsätze für sich zu formulieren, da sie vor Augen führen, womit wir unzufrieden sind. Wir neigen meiner Meinung nach nur zumeist zu radikalen Vorsätzen, die uns deswegen auch scheitern lassen. Wenn ich zum Beispiel bisher keinen Sport gemacht habe und mir dann vornehme, gleich drei Mal in der Woche ins Fitnesscenter zu gehen, kann das vielleicht für manch einen mit eisernem Willen passen, aber in den meisten Fällen endet das dann eher frustrierend. Ich für meinen Teil stelle mir einfach die Frage, was ich erreichen möchte. Wenn es mir darum geht, mich einfach mehr zu bewegen, dann tut mir oft auch schon ein ausdauernder Spaziergang oder ein kurzer Lauf in der Natur gut, es muss aber nicht gleich das tägliche Laufbandtraining im Fitnesscenter sein.

Wobei mir der auf meine Neujahrswünsche gerichtete Fokus noch hilft?

Er gibt mir auch eine Ausrichtung vor und ich kann beginnen, mir zu überlegen, wie ich meine Wünsche erreichen kann. Am besten mit kleinsten Schritten, Tag für Tag. So habe ich mir zum Beispiel vorgenommen, für eine Reise zu sparen und habe mir hierfür ein zu erreichendes Sparziel gesetzt. Zu sehen, wie ich durch regelmäßige Überweisungen meinem gesetzten Ziel näher komme anstelle das Geld für Kleidung oder Dinge auszugeben, die ich mir einbilde zu benötigen, stimmt mich glücklich und zuversichtlich.

Ganz nach dem Motto:

If you can´t stop thinking about it, don´t stop working for it. (Unbekannt)

Und der Nebeneffekt: Die Umsetzung meines schon länger bestehenden Vorsatzes, materielle Anschaffungen wie Kleidung, Schuhe und so weiter einzuschränken, wird mir damit ganz leicht gemacht, weil ich auf die Erreichung meines Herzenswunsches hinarbeite.

Das Jahr hat gerade erst begonnen. Vielleicht magst auch du dir anstelle deiner oder natürlich auch zusätzlich zu deinen Neujahrsvorsätzen die Zeit nehmen, über deine Herzenswünsche nachzudenken. Stell dir vor, was du erreichen kannst, wenn du ein ganzes Jahr jeden Tag Schritt für Schritt darauf zugehst!

Weil es so gut passt, abschließend nochmals ein Zitat von Goethe:

Unsere Wünsche sind die Vorboten der Fähigkeiten, die in uns liegen.

Ich wünsche dir, dass du dir deine größten Herzenswünsche 2019 erfüllen kannst, Schritt für Schritt!

Alles Liebe, Ines

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