Was ein Baum das Mädchen Esperanza über das Leben lehrte

Die heute von mir verfasste Kurzgeschichte handelt von dem Mädchen Esperanza, das eine große Leere in sich verspürt und seine Antwort überraschenderweise in einer Begegnung mit einem Baum findet.

Verzweiflung machte sich in Esperanza bemerkbar. Zu viele Sorgen machte sie sich ständig über dies und jenes, dabei hatte sie doch überhaupt keinen Grund, unzufrieden zu sein. Sie hatte einen gut bezahlten Job, ein soziales Umfeld, eine wundervolle Beziehung und genug Zeit und Geld, um sich gewünschte Dinge leisten zu können. Sie konnte reisen, gut essen gehen, Kleidung kaufen. Alles, was das Herz begehrte, oder?

Wie konnte sie sich dann nur die Leere erklären, die sich nach und nach, still und leise, in ihr ausbreitete? Esperanza fand einfach keine Antwort darauf.

Um den Kopf etwas auszulüften, beschloss sie, raus in die Natur zu gehen. Irgendwohin, wo sie für sich allein sein konnte.

Sie besuchte den Wald ganz in ihrer Nähe. Ein Ort, wo sie selten jemand anderem über den Weg lief. So oft war sie schon dort, meistens gedankenversunken und ihre Probleme im Kopf auf und ab wälzend. Doch dieses Mal merkte sie, dass irgendetwas anders war als bisher. Sie hatte das Gefühl, dass sie zum ersten Mal in ihrem Leben den Wald überhaupt wahrnahm, sie konnte seine Kraft und Lebendigkeit richtig spüren. Riesige Bäume standen hier, die Äste ragten weit über ihren Kopf hinweg Richtung Himmel. Und als sie auf dem Boden blickte, wurde ihr erst klar, wie fest verwurzelt die Bäume hier standen. „Wie alt wohl die ältesten Bäume in diesem Wald seien mögen?“ fragte sie sich mit großem Erstaunen.

Langsam ging sie weiter und fühlte sich das erste Mal nach langem wieder unbeschwert und vollkommen im Hier und Jetzt. Es schien gerade so, als gäbe es nichts, über das sie sich Sorgen machen müsste. Sie versuchte, die Kraft, die dieser Wald ausströmte, in jede einzelne Pore aufzunehmen, um auch für sich neue Energie zu tanken. In diesem Moment verspürte sie eine unglaubliche Dankbarkeit für die Schätze der Natur, die sie bisher immer missachtet hat.

Intuitiv lehnte sie sich an einen ihr besonders mächtig erscheinenden Baum. Sie hatte das Gefühl, dass dieser Baum wohl schon hunderte Jahre alt sein musste, so präsent und kräftig stand er in diesem Wald.

Plötzlich hörte sie eine Stimme: „300 Jahre alt sind viele von uns hier schon. Wir haben schon viel erlebt und auch gesehen. Sonnige Tage, aber auch Stürme. Menschen, die uns wahrnahmen und solche, die einfach blind an uns vorüber gingen, da sie mit ihren Gedanken weit weg von hier waren. Ganz mit ihren Problemen beschäftigt.“

Esperanza war verwirrt. Konnte es tatsächlich sein, dass sie die Stimme des Baums hörte oder war sie einfach schon verrückt geworden?

So fragte sie: „Baum, wie kann es sein, dass ich dich hören kann?“

Der Baum antwortete: „Hören und verstehen können uns die Menschen, die uns Aufmerksamkeit schenken und bereit sind, an die Wunder der Natur zu glauben. Wir atmen, damit Ihr leben könnt und wenn du bereit bist, dich der Natur zu öffnen, wirst du merken, dass auch du Teil von ihr bist.

Vergiss nie: Du formst die Natur mit durch jeden deiner Schritte und jede deiner Taten. Und: Du hast es selbst in der Hand, ob du die Natur unterstützt oder gegen sie arbeitest. Wir Bäume sind geduldig und jeder darf uns besuchen kommen, ganz ohne Vorurteile. Aber Ihr Menschen müsst euch bewusst werden, dass Ihr in Verbindung mit uns steht. Euer Leben beeinflusst auch unser Leben und umgekehrt.“

Esperanza war sprachlos und wiederholte: „Ich forme die Natur mit…“

Sie bedankte sich bei diesem weisen Baum und fühlte sich wie neugeboren, als sie sich auf den Heimweg begab. Lange noch hallten die Worte des Baums in ihr nach und bewirkten, dass sie von nun an bewusster lebte und erkannte, warum sich diese Leere in ihr bildete. Sie dachte bisher, dass die Dinge, die sie regelmäßig kaufte, sie glücklich machen würden. Die Begegnung mit dem Baum erinnerte sie aber wieder an das, dessen sie sich eigentlich immer schon bewusst wahr:

Das wahrhafte Wunderbare und Kraftspendende ist die Natur und:

Bei jeder Begegnung mit der Natur kann man mehr finden, als man gesucht haben mag. (Willy Meurer)

 

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