Warum wir die Welt so sehen, wie wir sind

Einleitend eine Sufi-Geschichte:

Ein Wanderer ist auf Zimmersuche in einer neuen Stadt. Er befragt den örtlichen Weisen:
Meister, wie sind die Menschen in dieser Stadt?

Der Meister stellt ihm eine Gegenfrage:
Wie sind die Menschen in der Stadt, aus der du gezogen kommst?
Oh, dort waren alle Gesindel, Tagediebe und Hungerleider.

Der Weise rät dem Fremden:
Freund, ziehe weiter. Die Städter hier sind auch so.

Stunden später erscheint ein anderer Wohnungssuchender bei dem Weisen, um ihn zu fragen:
Meister, wie sind die Menschen in dieser Stadt?

Entgegnet der Weise:
Wie sind die Menschen dort, wo du bisher gelebt hast?

Antwortete der Wanderer:
Oh, Ich bin ungern weggezogen, weil sie alle so freundlich, hilfsbereit, herzensgut und zuvorkommend sind.

Rät ihm der Meister:
Freund, bleibe hier. Wir sind ebenso!

Was mich die Geschichte (gefunden auf spiritualwiki.org) persönlich lehrt?

Dass ich es selbst bin, die die Welt in gut oder böse, schön oder hässlich, friedvoll oder konfliktvoll, freudig oder deprimierend einteilt.

Kennst du das vielleicht?

Du stehst morgens auf, eindeutig mit dem falschen Bein. Alles geht vom ersten Moment an so richtig schief. Du verschüttest vielleicht den Kaffee oder Tee, findest nicht das Richtige zum Anziehen und auch in der U-Bahn blicken dir nur genervte Gesichter entgegen.

Oder: Es ist Wochenende. Die Sonne scheint, du wirst sanft von Vogelgezwitschere geweckt, öffnest die Augen und spürst von Anfang an: Es ist ein wundervoller Tag.

Wo der Unterschied in beiden Erzählungen liegt? Vermutlich deine Wahrnehmung. Vielleicht hat auch an dem Tag, an dem von Anfang an alles gefühlt schief gelaufen ist, die Sonne gescheint, aber du konntest es nicht wahrnehmen, da dein Fokus voll und ganz auf das gerichtet war, was nicht funktionieren wollte oder unglaublich genervt hat.

Schon Buddha sagte:

Was du denkst, bist du.

Was du bist, strahlst du aus.

Was du ausstrahlst, ziehst du an.

Meine persönliche Erfahrung stimmt damit überein.

Wenn ich nach einem anstrengenden Arbeitstag und innerlich schon sehr genervt nur mehr nach Hause möchte, kann ich mir sicher sein, dass mich auch eine voll gestopfte U-Bahn und alle Menschen, die mir über den Weg laufen, nerven werden. Klar, weil ich in diesem Moment genau das alles selbst ausstrahle und gar nicht mehr empfänglich bin für ein freudiges Kinderlachen oder alles Schöne, was rund um mich noch geschieht.

So verhält es sich aber zum Glück auch im umgekehrten Fall.

Ein offener, lächelnder Blick meinerseits macht es sehr wahrscheinlich, dass ich einen solchen auch in den Gesichtern meiner Mitmenschen erspähen kann. Meine Bereitschaft dafür, wahrzunehmen, was gerade um mich herum geschieht, lässt zu, dass ich vielleicht die Liebe zwischen zwei mir unbekannten Menschen spüren kann oder die Hilfsbereitschaft füreinander, wenn ein Jugendlicher einer älteren Dame im Bus Platz macht (ja, das alles existiert auch noch).

Aus dem Talmud stammen folgende Worte:

Wir sehen die Welt nicht so, wie sie ist. Wir sehen sie so, wie wir sind.

Es hilft mir, dass ich mir dies – nämlich meine eigene Wahl, wie ich die Dinge sehe – in Momenten, wo ich es besonders brauche, in Erinnerung rufe.

Und nein – mit diesem Beitrag möchte ich jetzt alles Negative, das es auf der Welt ebenfalls gibt (seien es Kriege, Umweltverschmutzung oder schon Konflikte mit den nahestehendsten Personen), gar nicht wegdiskutieren. Aber es macht Sinn, dass wir uns vor Augen führen, dass die von uns vielleicht negativ wahrgenommene Welt nur eine Seite der Medaille ist und es auch noch eine andere Seite gibt, die wir selbst gestalten können.

Denn:

Wenn du die Welt verändern willst, beginne mit dem Menschen, den du jeden Morgen im Spiegel siehst.

…sagte schon Laotse!

Dankbarkeitsübung:

Zum Abschluss noch eine kurze Dankbarkeitsübung, die dir helfen kann, deinen Fokus – wann immer es für dich erforderlich wird – positiv zu verändern:

Falls du wieder einmal am Verzweifeln bist, weil du einen gerade echt harten Tag hinter dir hast mit dem Gefühl, dass die ganze Welt gegen dich ist, dann empfehle ich dir, kurz inne zu halten und an zumindest drei Dinge zu denken, für die du an diesem Tag dankbar bist. Anfangs dauert es vielleicht etwas, bis dir solche Dinge einfallen, da die Gedanken sich wahrscheinlich nur um das negative Erlebte drehen, aber glaube mir – mit etwas Anstrengung wird dir bestimmt etwas einfallen und sei es nur die Kaffeepause mit einer lieben Kollegin oder ein kurzer Moment, in dem du die strahlende Sonne und ihre Wärme am Himmel wahrgenommen hast.

Mir persönlich hilft diese Übung immer sehr, wenn ich gerade in einer Negativspirale festgefahren bin. Sie verändert nämlich den Fokus, sodass dieser nicht mehr nur auf das Negative, das mich gerade zu 100 Prozent vereinnahmt, gerichtet ist. Die Übung macht mir auch gut bewusst, dass alles immer eine Momentaufnahme ist.

Und: Dankbarkeit kann auch ein Anker sein für mehr Zufriedenheit in uns.

Also, was ist es, dass dich heute dankbar sein lässt? Bei mir auf jeden Fall, dass du diesen Beitrag gelesen hast. Danke dafür!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.