Wann es Zeit ist loszulassen

Ein Wasserfall, umgeben von Felsen, bahnt sich seinen Weg nach unten

Endlich war es wieder soweit– ein Wochenende in meiner ehemaligen Wahlheimat Graz, in der ich mein ganzes Studium und auch die ersten Arbeitsjahre verbracht habe, wartete auf mich…Viele alte Freundschaften verbinden mich mit dort und vor allem eins – gemeinsame Erinnerungen.

Aber eben: Es sind – oftmals – Erinnerungen. So schön die Zeit in meiner ehemaligen Heimat ist, sie zeigt mir auch, dass es nicht mehr meine Gegenwart ist, sondern ein Stückchen Vergangenheit.

Zurück in Wien stelle ich mir die Frage, warum ich in meiner ehemaligen Heimat (es waren doch mehr als 15 Jahre) umgeben von Menschen, die mir viele Jahre Wegbegleiter waren, immer wieder in die gleichen Muster (Verunsicherung, mangelnder Selbstwert usw) verfalle, obwohl ich seit drei Jahren physisch weg von dort bin und gedanklich der Moment wahrscheinlich noch früher eingetreten ist.

Ist es nicht spannend, dass man, obwohl man das Gefühl hat grundsätzlich zufrieden und auf seinem Weg zu sein, speziell bei Menschen, die einen schon lange kennen und begleiten, immer wieder ins Wanken kommt und sich knallhart mit seiner Vergangenheit (die bestimmt nicht immer nur zufriedenstellend war) konfrontiert sieht und seinen Weg in Frage stellt?

Zumindest mir geht es so und vielleicht erkennst auch du dich darin. Umgeben von Leuten, die ich bereits aus Schulzeiten kenne, merke ich stärker denn je, wie ich mich die letzten Jahre verändert und dadurch ganz unweigerlich auch von manchen langjährigen Freunden entfernt habe. Ich bin nicht mehr die von früher, (wer auch immer ich früher war, es fühlt sich nicht mehr so an), meine Interessen und meine Lebensweise haben sich geändert (Das führt dann zu Gesprächen wie: Was, du bist Vegetarierin? Also ich könnte nicht ohne Fleisch leben. Ich: Ja,verlange ich auch nicht) und auch meine Ziele sind neu definiert (ja, auch eine Juristin muss nicht immer nur auf das große Geld aus sein, sondern darf eine soziale Ader besitzen oder sich für Achtsamkeit und Meditation interessieren und sogar Tattoos haben, JA).

Zum Thema Vergangenheit bin ich auf ein schönes Zitat gestoßen:

Die Vergangenheit ist da, um daraus zu lernen und nicht um darin zu leben. (Unbekannt)

Das ist es wohl auch, was ich daraus für mich mitnehmen kann. Auch, wenn ich mich manches Mal nicht ganz wohl in meiner Haut fühle, wenn mich langjährige Freunde, die vielleicht auch nicht mehr ganz so viel Einblick in mein aktuelles Leben haben,  mit gewissen Fragen konfrontieren (zB was mit meinen Plänen ist, endlich Meditationen anzubieten) oder wenn ich mich nicht ernst genommen/unterstützt fühle bei dem, was meine Zukunftspläne betrifft, so kann ich diesen Treffen auch was Positives abgewinnen, nämlich:

Sie zeigen mir einfach auf, wie sehr ich mich schon in die für mich stimmig anfühlende Richtung verändert habe, auch wenn ich für alte Freunde in manchen Dingen einfach anders (komisch?) geworden bin. Und positiv gesehen kann mich die oftmals nervig wirkende Fragerei auch ansporen, Dinge wirklich anzugehen. Denn, seien wir uns ehrlich: Fragen lösen doch im Wesentlichen dann ein unangenehmes Gefühl in einem aus, wenn sie Themen betreffen, mit denen man selbst noch nicht zufrieden oder im Reinen ist.

Und vielleicht muss ich mich auch an meiner eigenen Nase nehmen und mich fragen, ob ich denn nicht meine alten Freunde auch nur mit den Augen von früher sehe und ihre Veränderungen gar nicht so wahrnehme?

Denn: Wenn die Gesprächsebene auch nach so vielen Jahren noch passt, ist es doch wirklich schön, sich über die guten alten Zeiten auszutauschen sowie über gemeinsam Erlebtes zu lachen und zu sehen, wie man sich über die Jahre weiterentwickelt (hat). Wie blöd/unbeschwert wir doch mal sein konnten…

Aber – und auch das kenne ich: Wenn ich von einem Treffen immer wieder mit einem schlechten Gefühl weggehe und mich energieloser als zuvor fühle, dann ist es wohl an der Zeit, sich einzugestehen, dass manche Personen einfach keinen Platz mehr in meinem Leben haben, weil man sich zu sehr auseinander gelebt hat und anders (sprich: mehr man selbst) geworden ist. Was wir aber nicht vergessen dürfen: Damit machen wir auch Platz für neue wundervolle Begegnungen und Freundschaften, die auf uns warten.

Jede Begegnung ist eine Erfahrung und jedes Loslassen eine Erkenntnis.(Unbekannt)

In diesem Sinne für dich, für mich, für uns alle:

Dear Past, thank you for all the lessons.

Dear Future, I´m now ready.

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