Ungeduld in Geduld verwandeln

In der Ruhe liegt die Kraft. (Konfuzius)

Es fällt mir leicht, dem zuzustimmen, wenn ich mich nicht gerade wieder darüber ärgere, dass etwas zu langsam geht. Dann kann meine sonst so gepriesene Geduld ganz schnell in das Gegenteil umschlagen und Konfuzius´ Worte sind von einem Moment auf den anderen einfach vergessen.

Und als im Sternzeichen Widder Geborene ist es halt auch nicht immer so einfach. Der Widder ist schließlich nicht dafür bekannt, der Geduldigste unter den Sternzeichen zu sein. Steinböcken hingegen wird Geduld nachgesagt, wie beneidenswert.

Studien haben nämlich ergeben, dass jemand, der verzichten und Rückschläge einstecken kann und ausdauernd ist, auch gesünder und erfolgreicher lebt. Das Erlernen von Geduld macht also nicht nur das eigene Leben leichter, sondern hat auch noch positive Auswirkungen auf die Gesundheit.

Eine der bekanntesten Studien hierzu ist die so genannte Marshmallow-Studie, durchgeführt vom US-Amerikaner Walter Mischel, welcher österreichischer Herkunft war.

In den Jahren 1968 bis 1974 führte er mit etwa vier Jahre alten Kindern aus der Vorschule des Stanford Campus Experimente zum Belohnungsaufschub durch. In Einzelsitzungen wurde den Kindern ein begehrtes Objekt vor Augen geführt, beispielsweise ein Marshmallow. Der Versuchsleiter teilte dem jeweiligen Kind mit, dass er für einige Zeit den Raum verlassen würde, und verdeutlichte ihm, dass es ihn durch Betätigen einer Glocke zurückrufen konnte und dann ein Marshmallow erhalten würde. Würde es aber warten, bis der Versuchsleiter von selbst zurückkehrte, erhielte es zwei Marshmallows. Hatte das Kind die Glocke nicht betätigt, kehrte der Versuchsleiter gewöhnlich nach 15 Minuten zurück. Die durchschnittlichen Wartezeiten der Kinder betrugen ca. 6 bis 10 Minuten, streuten allerdings sehr stark um diese Mittelwerte.

Die Nachbeobachtungsstudien von ihm ergaben: Je länger die Kinder im ursprünglichen Experiment gewartet hatten, desto kompetenter wurden sie als Heranwachsende in schulischen und sozialen Bereichen beschrieben, und desto besser konnten sie mit Frustration und Stress umgehen sowie Versuchungen widerstehen; darüber hinaus zeigten sie auch eine tendenziell höhere schulische Leistungsfähigkeit.

Auch, wenn die Studie heutzutage recht kritisch gesehen wird, da vor allem kritisiert wird, dass die Auswahl der Versuchspersonen nicht breit genug war und auch auf soziale Aspekte (arm versus reich) der Beteiligten keine Rücksicht genommen wurde, so bin ich trotzdem der Meinung, dass Geduld eine Eigenschaft ist, bei der es sich lohnt, sie zu üben.

Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. (Afrikanische Weisheit)

Eine schöne Metapher, die wir gut auf unangenehme Situationen im Alltag umlegen können, denn mehr Geduld bedeutet auch eine höhere Stresstoleranz. Wir sind schließlich alle immer wieder Situationen ausgesetzt, die wir gerade nicht ändern können (die lange Schlange an der Supermarktkasse, das Warten auf einen wichtigen Rückruf oder das Internet, dass gerade nicht funktioniert, obwohl wir doch gerade was ganz Dringendes auf Facebook zu posten haben).

Beobachte dich doch einfach einmal dabei, wie du in solchen Situationen reagierst und mit  ihnen umgehst. Ärgerst du dich so, dass du in dem Moment gar nichts anderes mehr wahrnehmen kannst? Oder können diese Situationen dir nichts (mehr) anhaben?

Geduld ist nicht die Fähigkeit zu warten, sondern die Fähigkeit beim Warten gut gelaunt zu sein. (Unbekannt)

Aus meiner Sicht kann es helfen, uns vor Augen zu führen, dass Ungeduld eine ärgerliche Situation nicht schneller verschwinden lässt, ganz im Gegenteil: Sie wirkt für uns noch viel länger und intensiver, da wir den Fokus ganz darauf lenken. An der Supermarkt-Kasse habe ich mir zum Beispiel angewöhnt, mir beim Warten nochmals durch den Kopf gehen zu lassen, ob ich denn wirklich alles eingekauft habe, was ich brauche. Oder zwischendurch ergeben sich auch ganz nette Gespräche mit anderen ebenfalls wartenden Kunden. Und meistens gibt es unter den Wartenden sowieso jemanden, der lautstark nach einer zweiten Kassa ruft.

Oder wenn es gerade darum geht, im Wartezimmer auf ein Vorstellungsgespräch oder den Arzt zu warten (ja, beim Zahnarzt finde ich das immer recht unangenehm), da hilft es mir, ein paar kurze Atemübungen zu machen oder mich in eine interessante Lektüre zu vertiefen. Die Situation (das unangenehme Warten) bleibt die gleiche, es liegt an mir zu entscheiden, wie ich damit umgehen möchte.

Welche Situation dich auch immer ungeduldig macht, es empfiehlt sich einmal auszuprobieren, anders als bisher zu reagieren und zum Beispiel einfach mal tief durchzuatmen, bevor du deinem Unmut freien Lauf lässt. Vielleicht ist er nämlich dann schon verschwunden.

Ich glaube, dass die Ungeduld, mit der man seinem Ziele zueilt, die Klippe ist, an der gerade oft die besten Menschen scheitern. (Friedrich Hölderlein)

Und: Deine Geduld bereits in diesen alltäglichen Sachen zu üben, kann langfristig auch dazu führen, dass du geduldiger mit dir selbst wirst, wenn es darum geht, deine Ziele zu erreichen:

Habe Geduld mit allen Dingen, aber vor allem anderen mit dir selbst. (Franz von Sales)

Mit dir selbst Geduld zu haben, ist eines der schönsten Geschenke, dass du dir machen kannst! Da du dann nämlich wohlüberlegt an Dinge herangehen kannst und nicht von der Ungeduld geleitet unüberlegt handelst.

Falls du Anregungen für alltägliche Geduldsübungen benötigst, würde ich mich freuen, wenn du mal in meiner Rubrik „Praktische Übungen für den Alltag“ stöberst:

https://nothingtosay.at/praktische-uebungen-fuer-den-alltag/

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