(Un)Erträgliche Stille?

Bergmotiv mit Pferd im Vordergrund

Seitdem ich in einer Großstadt wie Wien lebe, bin ich mehr denn je mit dem Thema Lärm (oder anders formuliert: der Suche nach Stille) konfrontiert. Umgeben von Menschen, die es lieben, in Straßenbahn oder U-Bahn ihre Musik ohne Kopfhörer mit anderen Fahrgästen zu teilen oder hupenden Autos, deren Fahrern es im alltäglichen Stau nicht schnell genug gehen kann oder lautstark telefonierenden Sitznachbarn….Freiwillig oder unfreiwillig ist man fast ständig einer Beschallung ausgesetzt.

Dies wirft für mich ganz unweigerlich die Frage nach der Bedeutung von Stille auf…..

Früher brachte der Lärm die Menschen aus der Ruhe. Heutzutage ist es die Stille.

Hat Ernst Ferstl, von dem dieses Zitat stammt, Recht damit?

Wenn ich an meine Vergangenheit denke, so komme ich zur Erkenntnis, dass sich die Bedeutung von Stille für mich die letzten Jahre sehr verändert hat, inzwischen wichtiger denn je ist. Früher, in meiner Jugend, konnte ich nicht genug bekommen von lauten Konzerten (oh ja, Rammstein war eine meiner Lieblingsbands und nicht gerade für seine einfühlsamen Texte bekannt) und Parties und Veranstaltungen. Immer dabei zu sein, um ja nichts zu verpassen, war mein Motto. Ich habe es auch sehr genossen, größtenteils zumindest. Zurückblickend muss ich mir wohl eingestehen, dass ich wohl bereits damals – mitten auf einer voll mit tanzwütigen Menschen gefüllten Tanzfläche, wo es gewollt oder ungewollt zu engem, verschwitzten Körperkontakt mit anderen Tanzmäusen und -mäuserichen kam – oft die Sehnsucht verspürte, zu Hause zu sein und in Ruhe ein interessantes Buch zu lesen oder einen Film zu sehen.

Ich habe es aber einfach nicht zugelassen, Zeit mit mir ganz alleine zu verbringen (alleine, da fühlte sich damals, vor allem an einem Samstag Abend, doch so an, als wäre man uninteressant und ein Mauerblümchen) und meinem schon damals vorhandenen Bedürfnis nach Stille und Zeit alleine nachzukommen.

Die größte Offenbarung ist die Stille. (Laotse)

Die Bedeutung dieses Zitats offenbarte sich mir erst viel, viel später. Und zwar, als ich mir bewusst wurde, dass ich das Ausgehen zwar sehr mochte, es meistens eh lustig war, aber ich am Tag danach oft trotzdem eine gewisse Leere verspürte.

Grund war aus meiner Sicht der, dass ich meinen Fokus beim Fortgehen stets nach außen richtete (wie komme ich bei anderen Menschen an usw) und mich damit eigentlich von mir selbst entfernt habe (natürlich war mein Ego angekratzt, wenn ich mitbekommen habe, dass andere viel mehr angeflirtet und angetanzt wurden). Ich habe meine (gute oder schlechte) Stimmung also von meinem Umfeld abhängig gemacht.

Umso mehr schätze ich es nunmehr, die Erfahrungen von Yoga und Meditation zu kennen. Mich nur auf meine Person zu fokussieren und zu erleben, wie die sonst quer durch den Gemüsegarten rasenden Gedanken ruhiger werden und ich meine innere Stimme höre oder fühle, ist immer wieder ein unglaubliches Erlebnis.

Klar gehört für mich zwischendurch Ausgehen und Tanzen nach wie vor dazu (auch wenn ich inzwischen danach schon um einiges mehr Erholungszeit brauche als noch vor ein paar Jahren). Soziale Kontakte sind immens wichtig. Kraft ziehe ich allerdings vor allem auch aus der Zeit, in der ich unbeeinflusst von äußeren Einflüssen bin. Nämlich dann, wenn ich einfach für mich bin!

 Nur im Alleinsein können wir uns selber finden. Alleinsein ist nicht Einsamkeit, sie ist das größte Abenteuer! (Hermann Hesse)

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.