Die kleinen Wunder des Alltags – Eine Metapher

Heute gibt es für euch erstmals eine von mir geschriebene Kurzgeschichte über das Leben und darüber, wie wir wieder beginnen können, die kleinen Wunder des Alltags wahrzunehmen. Die Geschichte handelt von einem Mädchen namens Ravenna und ihrer Begegnung mit einem kleinen Kind am Strand, das sie lehrt, wieder offen für die tagtäglichen kleinen Wunder zu werden.

Ravenna war verzweifelt. So lange schon war sie auf der Suche, aber wusste einfach nicht genau, was sie eigentlich suchte. An einem dieser Tage, an dem sie wie so oft ihr eigenes Leben hinterfragte und große Selbstzweifel verspürte, spazierte sie am Strand entlang. In weiter Ferne sah sie ein kleines Kind, so etwa fünf Jahre alt, im Sand spielen. Weit und breit waren keine Eltern in Sicht. Ravenna kam näher und ohne es sich erklären zu können, kam ihr dieses kleine Wesen sehr vertraut vor. Auch das kleine Kind fasste sehr schnell Vertrauen, und Ravenna verwickelte es in ein Gespräch.

„Was machst du hier, Kleine?“ fragte Ravenna.

„Ich baue Sandburgen und schaue dann dabei zu, wie sie von den Wellen wieder zerstört werden.“ antwortete die Kleine.

„Macht dich das denn nicht traurig, dabei zuzusehen, wie die Burgen, die du mit so viel Liebe gebaut hast, in Sekundenschnelle wieder zerstört werden?“ erwiderte Ravenna.

„Ganz und gar nicht,“ sagte das kleine Wesen mit strahlenden Augen. „Ich kann immer wieder von vorne beginnen und habe jedes Mal eine neue Idee, wie meine Sandburg aussehen könnte. Ich halte nicht daran fest, da ich weiß, dass, wenn nicht das Wasser die Sandburg zerstört, dann zerstört sie vielleicht der Wind oder ein Tier. Ich aber bin ganz im Moment, wenn ich die Burg baue und habe Freude dabei, ohne das Ziel zu haben, die Burg unbedingt behalten zu wollen. Das Wasser und auch der Sand gehören zueinander. Beide haben ihre Berechtigung. Und ich verspüre unglaubliches Glück, Teil dieser wunderbaren Welt zu sein.“

Ravenna kamen die Tränen, als sie die unglaublichen Worte dieses noch so kleinen Wesens vernahm. Ihr wurde klar, wie unglücklich sie sich selbst machte, weil sie immer nur auf der Suche nach einem Ziel bzw. einem Sinn war und immer an allem festhalten wollte. Dabei hat sie überhaupt nicht mehr auf die Wunder in ihrem Alltag geachtet.

Sie bedankte sich bei diesem kleinen Kind und umarmte es ganz fest. Als sie sich verabschiedete und sich nach einigen Metern nochmals umdrehte, um dem Kind zuzuwinken, wurde ihr klar, wer dieses kleine Wesen war:

Es war sie in jungen Jahren, als sie noch unbeschwert und die Welt für sie jeden Tag ein neues Wunder war. Ab diesem Tag begann sie, die kleinen Schätze, die ihr das Leben täglich schenkte, wieder wahrzunehmen und verspürte unglaubliche Dankbarkeit dafür, dass sie lebte.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.