Auch ein leerer Terminkalender kann erfüllend sein

Ein voller Terminkalender ist noch lang kein erfülltes Leben. (Kurt Tucholsky)

Besser könnte ich es auch nicht sagen in einer Zeit, in der wir meistens getrieben sind, von Termin zu Termin hetzen (egal, ob beruflich oder privat), gegessen wird zwischendurch und auch abends, nachdem wir meistens mehr als 8 Stunden gearbeitet haben, muss natürlich noch ein Unterhaltungsprogramm her. Wie langweilig wäre das Leben sonst?

Kennst du es aber, wenn sich so ein Leben für dich, wenn du zwischendurch hinhörst, trotzdem nicht erfüllend anspürt?

Ich für meinen Teil schon. In der Vergangenheit war ich oft gequält vom Gedanken, etwas zu verpassen, wenn ich mal bei einer Party nicht dabei war. Und die ganzen tollen Erzählungen von anderen machten es nicht besser. So ein Gespräch verlief dann in etwa so:

A fragt: Was hast du am Wochenende gemacht? Ich: Nichts Besonderes. A darauf: Ach sooooo. Also ich war auf einer megatollen Party und dann noch auf dem Konzert von dem coolen neuen Rapper. Waaaas, den kennst du nicht? Und zusätzlich war ich auch im neuen Haubenlokal, das gerade eröffnet hat. Da muss man zwar stundenlang Schlange stehen, dass man reinkommt, aber da musst du unbedingt mal hin, sonst verpasst du echt was!

Puh, ja. Früher hatten mich solche Gespräche gleich ein paar Zentimeter kleiner gemacht, so langweilig fühlte sich mein Leben im Vergleich zu diesen Erzählungen oder im Vergleich zu den zahlreichen megatollen Fotos auf Facebook an. Urlaub hier, neue Liebe/Liebschaft/Affäre da….

Was wir dabei vergessen: Bei ein paar hundert Freunden, die man auf Facebook so durchschnittlich hat (oder vielleicht liegt der Durchschnitt inzwischen schon bei ein paar tausend, da bin ich nicht mehr so up to date), ist es aber vollkommen logisch, dass man pro Tag mit zahlreichen vielleicht neidisch machenden Fotos konfrontiert ist. Selbst wenn nur ein Drittel der Leute regelmäßig etwas postet, sind das noch immer zig Fotos, die vermutlich tolle Dinge, Orte und das perfekte Leben zeigen (vorgaukeln).

Und dagegen spricht ja auch nichts, solange das alles nicht negative Spuren in dir selbst hinterlässt und du beim Anblick der supertollen Bilder nicht anfängst, dein „langweiliges“ Leben zu hinterfragen, obwohl es sich für dich sonst ganz stimmig anfühlt, nicht immer auf der Piste und aktiv zu sein.

Du fragst dich, was das jetzt alles mit dem leeren Terminkalender zu tun hat? Aus meiner Sicht viel.

Ein (zwischendurch) leerer Terminkalender veranlasst dazu, auch mit sich allein Zeit zu verbringen und dieses Alleinsein können  ist heutzutage einfach nicht mehr selbstverständlich. Irgendwie klar – so viele Möglichkeiten und Angebote gibt es Tag für Tag, vor allem, wenn man in einer Großstadt lebt. Veranstaltungen, Konzerte, Kino, Restauranttipps. Jeden Tag könnte man etwas Neues ausprobieren/machen. Selbst auf der Suche nach Yoga und Meditationen spukt Google inzwischen schon so viele Ergebnisse aus, dass es oftmals einfach nur überfordert und stresst, das Richtige zu finden (hier kann ich aus meiner Erfahrung nur sagen: Das, was passt, kommt immer irgendwie zu einem, auch abseits von Facebook usw).

Nur im Alleinsein können wir uns selber finden. Alleinsein ist nicht Einsamkeit, sie ist das größte Abenteuer. (Hermann Hesse)

In schnelllebigen Zeiten wie diesen ist es aber wichtiger denn je, auf sich selbst zu schauen (natürlich im selbstsorgenden und nicht egoistischen Sinn) und sich einfach Auszeiten zu gönnen, auf welche Art und Weise auch immer das für dich passt.

Möglichkeiten gibt es viele: Ich für meinen Teil bevorzuge es, zum Beispiel nach der Arbeit den Nachhauseweg (oder einen Teil davon) zu  Fuß zu gehen oder mich abends einfach ein paar Minuten auf die Couch zu setzen und mich nur auf meinen Atem konzentrieren oder anstelle der Abendnachrichten ein paar Minuten in einem entspannenden Buch zu lesen (meine aktuelle Empfehlung ist Ajahn Brahm, Die Kuh, die weinte – buddhistische Kurzgeschichten über den Weg zum Glück, die auch zum Lachen bringen).

Oder, was auch mal einen Versuch wert ist: Einfach mal einen Abend zu Hause zu genießen, sich sein Lieblingsessen zu kochen, nebenbei den Lieblingsliedern zu lauschen und den Lärm und die äußeren Einflüsse sowie das Gefühl, etwas zu verpassen, mal außen vor zu lassen.

Und wenn du das Alleinsein zwischendurch für dich bewusst ausprobierst, wirst du vielleicht schnell merken, dass auch ein weniger gefüllter Terminkalender dein Leben (er)füllen kann.

Nicht umsonst hat schon Dalai Lama hat gesagt:

Verbringe jeden Tag einige Zeit mit dir selbst.

Hast du Lust, über deine Erfahrungen zu berichten? Dann hinterlasse mir doch einen Kommentar oder schicke mir ein E-Mail an ines@nothingtosay.at. Ich freue mich, von dir zu hören!

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