Alle Jahre wieder oder heuer nicht?

Alle Jahre wieder…kommt das Christkind und bevor es kommt, der vorprogrammierte Weihnachtsstress. Der gezwungene Besuch eines Einkaufszentrums am Samstag Vormittag hat mich sprachlos zurückgelassen und zwangsweise zum Nachdenken darüber gebracht, was Weihnachten beziehungsweise die Zeit davor mit uns macht. Daher mein Versuch, uns alle wieder an die Besinnlichkeit und das wohl bedeutendste Geschenk für andere, nämlich Zeit, Wertschätzung und Liebe füreinander, zu erinnern.

Doch wie ist die Realität?

Seit Monaten finden wir Nikoläuse (und natürlich auch Krampusse), Spekulatiuskekse und Lebkuchen in den Supermarktregalen und werden, egal, wohin man blickt, mit Weihnachtsangeboten gelockt. Sei es das neue Überdrüber-Internet (damit man noch schneller und noch mehr in der virtuellen Welt surfen kann), das neue Mega-Handy mit noch mehr Speicherplatz (und noch mehr Möglichkeit, zu jeder Zeit an jedem Ort ein Selfie zu schießen) oder der neue riesige Flatscreen, der die Größe eines Wohnzimmers hat (gibt es diese Größe eigentlich schon?) und mit dem man sein Serienjunkie-Dasein intensivieren kann. Viele Möglichkeiten also, sich selbst oder seinen Liebsten ein supercooles Geschenk zu machen. Leider ist aber Weihnachten auch die Zeit, wo sich die meisten Menschen verschulden, da sie sich ebenfalls vom Konsum-Wahn anstecken lassen, um nur ja nicht an Weihnachten mit leeren Händen dazustehen.

Was bei all dem auf der Strecke bleibt? Der wahre Gedanke von Weihnachten, nämlich, dass es die besinnlichste Zeit des Jahres ist (sein sollte) und ein Fest der Liebe.

Die Ware Weihnacht ist nicht die wahre Weihnacht. (Kurt Marti)

Stattdessen versuchen wir verzweifelt, das perfekte Geschenk für die anderen zu finden (umgekehrt geht es ihnen natürlich genauso) und keiner darf sich irgendwie benachteiligt fühlen, damit ja alle glücklich und zufrieden vorm Weihnachtsbaum sitzen. Von der kleinen Tochter bis hin zur Schwiegermutter und dem Großonkel. Und: Ja keiner darf sich den Stress, den man sich die Wochen zuvor gemacht hat und das, wie man ehrlich über alles denkt, anmerken lassen.

Die Konsequenz: Es ist oftmals ein unglaublich hoher Anspruch, den wir an den Weihnachtstag stellen, womit Enttäuschungen vorprogrammiert sind. Und die wochenlange Hetzerei, Suche nach den perfekten Geschenken (mit zahlreichen anderen bereits gestressten Menschen und unglaublicher hektische Stimmung in den Geschäften) sowie das Grübeln nach einem für alle perfekten Weihnachtsessen lässt kaum Zeit für Ruhe und Besinnlichkeit.

Natürlich sind die vorweihnachtliche Zeit und der heilige Abend nicht nur ein Horror-Szenario, auch bei mir ist es nicht ganz so schlimm, da ich insbesondere meine Einstellung zur Wichtigkeit von materiellen Geschenken geändert habe. Aber: Im Großen und Ganzen stelle ich fest, dass sich gewisse Dinge alle Jahre wiederholen, obwohl man dem leicht entgegensteuern kann. Und der allseits präsente Weihnachtsstress erfasst einen immer wieder völlig aus dem Nichts, jedes Jahr von neuem.

Wenn uns bewusst wird, dass die Zeit, die wir uns für einen anderen Menschen nehmen, das Kostbarste ist, was wir schenken können, haben wir den Sinn der Weihnacht verstanden. (Roswitha Bloch)

Wie ich inzwischen mit der Vorweihnachtszeit umgehe? Anstelle von materiellen Geschenken (was mir zum Glück auch den Weg in überfüllte Geschäfte und somit viele negative Stimmungen erspart) habe ich begonnen, Geschenke zu basteln, die gemeinsame Zeit beinhalten. Eine Möglichkeit wäre aber auch, zu vereinbaren, dass man sich gar nichts schenkt, aber zum Beispiel jeder seinen Teil zum Weihnachtsessen beiträgt oder man könnte gemeinsam für eine Organisation Geld spenden. Viele Familien, die ich kenne, haben inzwischen angefangen zu wichteln. Das heißt, es wird ausgelost, wer wen beschenkt (und zunächst auch nicht verraten), damit kann man sich voll und ganz auf ein Geschenk konzentrieren.

Welche Variante wie passt, ist natürlich sehr individuell.

Aber: Es schadet bestimmt nicht, sich mal Gedanken darüber zu machen, was der größte Stressfaktor vor Weihnachten ist und dann zu versuchen, diesen ein bisschen zu minimieren.

Ganz im Sinne von:

Erst wenn Weihnachten im Herzen ist, liegt Weihnachten auch in der Luft. (William Turner Ellis)

Ich wünsche euch frohe Weihnachten und dass Ihre eure Gedanken zur Besinnlichkeit auch an eure Liebsten weitergeben könnt!

 

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