Wie der Lärm und die Stille von Gegnern zu Freunden wurden

Es waren einmal zwei Personen, die gar nicht miteinander konnten. Die eine hieß Lärm und die andere Stille. Sie hielten es nie am gleichen Ort aus, denn wenn der Lärm schon da war, sah sich die Stille in Gefahr und umgekehrt.

Der Lärm konnte einfach nicht verstehen, wie die Stille so ganz ohne ihn auskommen konnte und warum sich die Stille immer die Ohren zuhielt, wenn sie ihn schon von Weitem sah.

Die Stille wiederum fand den Lärm einfach rücksichtslos. Denn selbst wenn sie ihn noch nicht einmal sehen konnte, so konnte sie ihn schon aus kilometerweiter Entfernung hören. Das wühlte die Stille, die sonst die Einsamkeit gewohnt war, immer sehr auf.

Kaum war der Lärm in ihrer Nähe, konnte sie sich auf nichts anderes mehr konzentrieren, es war alles so laut in ihren Ohren und es schien so, als würde es nur noch den Lärm rund um sie geben. Der Lärm brachte sie einfach vollkommen durcheinander. Er hingegen fand die Stille einfach nur stinklangweilig. Was kann das nur für ein einsames, trauriges Leben sein, dachte er sich immer, wenn er die Stille aus der Ferne sah. Im Inneren aber spürte er, dass von der Stille eine unglaubliche Macht ausging. Die wenigen Momente, in denen er völlig ungeplant mit ihr konfrontiert wurde, hatte er irgendwie das Gefühl, eine Stimme zu hören. Es schien so, als würde ihm diese Stimme seinen wahren Weg und seine Bedürfnisse, die er sonst nie hören kann, offenbaren wollen.

Was weder der Lärm noch die Stille wussten: Sie hatten eine gemeinsame Freundin – die Toleranz.

Die Toleranz konnte sich den offensichtlichen Konflikt zwischen der Stille und dem Lärm nicht mehr mitansehen und schmiedete einen Plan. Ohne, dass der Lärm und die Stille irgendetwas ahnten, lud die Toleranz sie beide zur gleichen Zeit in ihr Lieblingslokal – den köstlichen Frieden – ein. Der Lärm kam kurz nach der Stille im Lokal an und als er sie und die Toleranz am gleichen Tisch sitzen sah, konnte er keinen Rückzieher mehr machen und gesellte sich mit einem inneren Widerstand zu ihnen.

Anfangs noch in Angriffslaune und völlig ohne Verständnis für sein Gegenüber lauschte der Lärm der Stille und merkte immer mehr, wie seine anfängliche Ablehnung plötzlich zu Neugier und Interesse wurde. Die Art und Weise, wie die Stille von ihren Erfahrungen berichtete, war für ihn völlig neu und doch irgendwie bekannt. Denn die Stille erzählte genau von dieser inneren Stimme, die er ja selbst auch schon wahrgenommen hatte und die ihr offensichtlich den Mut gab, ihren eigenen Weg zu gehen.

Umgekehrt konnte aber auch die Stille beginnen, sich in Anwesenheit von Lärm wohl zu fühlen, da sie merkte, dass es ganz an ihr lag, in seiner Anwesenheit trotzdem bei sich bleiben zu können. Es wurde ihr klar, dass der Lärm genauso wie sie zum Leben gehörte und neben ihr existieren konnte, ohne dass sie um ihre Existenz bangen musste.

Nach diesem Abend war es dem Lärm und der Stille endlich möglich, einander freundlich zu begegnen. Und die Toleranz freute sich, dass sie wieder einmal zwei Gegner zu einem Miteinander bewegen konnte.

Warum es hilft, sich der Vergänglichkeit bewusst zu sein

Sterben? Tod? Das Ende?

Wie geht es dir, wenn du diese Worte liest? Fühlt sich das alles für dich noch in weiter Ferne an? Lösen diese Worte etwas Unbehagen aus? Oder blickst du diesem Thema völlig gelassen entgegen?

Gerade kürzlich wurde ich mit dem Tod konfrontiert, völlig überraschend. Obwohl es niemand aus der engsten Familie war, so war es doch jemand, den ich von Kindestagen an kannte und der sehr plötzlich von uns gegangen ist. Als ich die Nachricht gelesen habe, war in meinem Büro gerade eine hitzige Diskussion zugange. Über dies und das. Was es war, hat inzwischen vermutlich jeder der Beteiligten schon wieder vergessen, in jenem Moment schien es aber das Bedeutendste der Welt zu sein.

Es bedurfte nur das Lesen des Wortes „gestorben“, um mich in Sekundenschnelle wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Bumm zack. Innerhalb von Minuten oder sogar Sekunden kann sich alles ändern und dann? Nichts würde mehr so sein, wie es mal war.

Wie uns das Bewusstmachen von Vergänglichkeit helfen kann

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