Von der kirgisischen Weite hin zu sich selbst

Kirgistan? Als Land ist es mir zwar schon untergekommen und ich wusste, dass es irgendwo in Asien liegt, aber trotzdem musste ich den Atlas zur Hilfe nehmen, um herauszufinden, wo genau es sich befindet. Die Reisebeschreibung, auf die ich zufällig gestoßen bin, hat es mir nämlich so angetan, dass ich mehr über dieses zentralasiatische Land wissen wollte. Endlose unbesiedelte Weiten, Bewohner, die zeitweise noch als Nomaden in Jurten leben und über 90 Prozent des Landes, die über 1.500 Höhenmeter liegen. Der Gipfel des höchsten Berges dort liegt sogar auf über 7.400 Meter.

Im Sommer verbringen die meisten Bauernfamilien ihre Zeit gemeinsam mit den Tierherden (Pferde, Kühe, Schafe oder sogar Yaks) am „Jailoo“ (übersetzt „Hochalm“). Das kann schon mal auf 3.000 Meter oder noch höher sein. Übernachtet wird dann in Jurten (traditionelles Zelt der Nomaden), die jedes Jahr aufs Neue auf- und wieder abgebaut werden. Ansonsten Natur und Berge, wohin man blickt. Keine feste Straße, keine fixen Almhütten, wie man sie von uns kennt. Der Morgen startet mit dem Melken der Kühe und Pferde (vergorene Stutenmilch ist das Nationalgetränk in Kirgistan, allerdings auch etwas gewöhnungsbedürftig, wenn man nicht damit aufgewachsen ist), daraus wird dann Joghurt und Butter gewonnen. Geschlachtet wird, wann immer es nötig ist. Ansonsten können die Tiere den ganzen Tag frei grasen, wo und was auch immer sie wollen.

Warum ich dir das alles erzähle?

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Wenn Körper und Geist Ruhe fordern

Woran es auch immer liegt – energetisch bin ich im Moment nicht auf meiner Höhe. Habe ich vor einiger Zeit noch für einen Halbmarathon trainiert, so bringen mich im Moment schon 5 km an meine Grenzen.

Und: Jeden Tag unter der Woche läutet der Wecker um 6.30 Uhr und reißt mich aus meinem Tiefschlaf – beim Aufwachen fühle ich mich, als wäre ich erst um 5 Uhr Früh von einer durchzechten Nacht heimgekommen, und das alles, obwohl ich frühzeitig ins Bett gegangen bin.

Oder andere Situation: Ich bin schon Stunden, bevor der Wecker überhaupt seinen ersten Ton von sich gibt, hellwach und wälze mich hin und her und möchte doch nur Schlaf finden.

Fazit: Umso mehr ich um (besseren) Schlaf kämpfe, desto weniger bin ich erfolgreich dabei.

Aber: Auch, wenn ich mir die Situation gerade anders wünschen würde, so zeigen mir Körper und Geist sehr klar, dass meine innere Balance nicht ganz im Gleichgewicht ist und auch auf der Welt passiert energetisch gerade unglaublich viel, was wir alle, aber noch intensiver feinfühlige Menschen, wahrnehmen.

Wenn Körper und Geist Ruhe brauchen

Ich ernähre mich gesünder denn je, schaue, dass ich meinen Schlaf bekomme, versuche in der Freizeit Ausgleich zu meiner vorwiegend sitzenden Büroarbeit zu finden und bin viel an der frischen Luft.

Aber: Körper und auch Geist sind ganz schön fordernd, wenn sie der Meinung sind, dass das noch nicht reicht und nein, sie lassen sich nicht mit weniger, als dem was sie benötigen, überlisten.

Ganz laut rufen sie im Moment nach Ruhe und ausgleichenden statt auspowernden Freizeitaktivitäten. Und so gönne ich mir inzwischen ohne schlechtes Gewissen das, was scheinbar gerade gebraucht wird – Rast anstelle von Rastlosigkeit.

Anfangs war das nicht so leicht für mich, habe ich doch von Kindestagen an den Spruch „Wer rastet, der rostet.“ zu hören bekommen. Ovid hingegen hatte eine völlig andere Auffassung und der kann ich inzwischen nur voll zustimmen:

Was ohne Ruhepausen geschieht, ist nicht von Dauer.

Und auch mein Körper spricht diese Sprache. Anstelle eines längeren Laufs sehnt er sich mehr nach Spazierengehen und statt anstrengendem muskelstärkendem Ashtanga-Yoga (dabei handelt es sich vor allem um schnelle, fließende Abfolgen von Positionen), bevorzugt er gerade muskelentspannendes Yin-Yoga (passives Yoga, in dem man minutenlang in einer sitzenden oder liegenden Position verweilt). Vor einem Jahr noch war für mich Yin-Yoga einfach langweilig, weil ich dachte, dass es nicht fordernd genug für mich sei. Gerade eben ist es der perfekte Ausgleich für meine innere Unruhe und Müdigkeit.

Wie du den Leistungsdruck an dich selbst loslässt

Geht es dir vielleicht gerade ähnlich? Nämlich, dass du dich ausgepowert fühlst und das Gefühl hast, eigentlich mehr leisten zu müssen, als das, was du gerade imstande bist zu leisten? Fühlst du dich deswegen weniger wert, weil du eigentlich das Bedürfnis hast, einfach nur sein zu dürfen, ohne Leistungsdruck? Hast du das Gefühl, du musst dich sportlich verausgaben, obwohl dir gerade nach gemütlicherer Bewegung zumute ist?

Dann könnte es dir vielleicht helfen, einfach mal in dich hineinzulauschen, ganz unbeeinflusst von Erwartungen rundherum. Und dann frage dich: Woher kommt dieses Gefühl, dass du mehr leisten müsstest? Ist das vielleicht eine Erwartung an dich, die dir von außen suggeriert wird? Was fühlt sich für dich persönlich im jetzigen Moment stimmig an, ganz egal, ob dies von außen als Leistung wahrgenommen wird oder nicht?

Ein Abend nur für dich? Ein ausgedehnter Spaziergang? Ein Kinobesuch?

Was auch immer es ist – es ist das, was du im Moment gerade brauchst und es steht dir zu, dem nachzugeben, denn:

Die Welt bleibt nicht gleich stehen, wenn du einmal eine Pause machst. (Unbekannt)

Die Welt bleibt nicht gleich stehen, wenn du einmal eine Pause machst.

Unbekannt

Und auch ich habe gelernt: Umso weniger ich gegen meinen derzeit teilweise schlechten Schlaf und mein niedriges Energielevel ankämpfe, sondern dies alles zulasse, desto wahrscheinlicher ist es, dass mein inneres Gleichgewicht bald wieder hergestellt wird.

Ein kleiner Hinweis noch: Sollte dein niedriges Energielevel doch über einen längeren Zeitraum unverändert bleiben, so wäre es jedenfalls ratsam, dies medizinisch abklären zu lassen, damit ausgeschlossen werden kann, dass deinem Körper gewisse Nährstoffe fehlen.

Übung zur Entscheidungsfindung

Grübelst du schon lange über eine Veränderung? Stehst du schon länger vor einer Entscheidung, aber irgendetwas hindert dich noch? Oder kannst du dich einfach nicht zwischen A und B entscheiden?

Wenn das bei dir gerade so ist, dann könntest du es mal mit nachfolgender Übung versuchen. Diese Übung hat mir erst kürzlich wieder geholfen, etwas Klarheit in meine Situation (Entscheidung zwischen A und B) zu bringen.

Übung:

Suche dir einen ungestörten Platz, an dem du dich wohl fühlst. Nimm einen bequemen Sitz ein und atme ein paar Mal tief durch. Wenn du magst, schließe deine Augen.

Und nun beginne dir vorzustellen, dass du deine Entscheidung bereits getroffen hast. Male es dir im Detail aus, wie es dir dabei geht und wie du die Entscheidung lebst. Beginne nun, dir folgende Fragen zu stellen:

Wie schaut seither dein Tagesablauf aus? Was hat sich für dich verändert im Vergleich zu deinem Leben vor der Entscheidung? Fühlt sich die Veränderung gut für dich an? Was spürst du in dir? Vielleicht Freude oder Zufriedenheit? Oder doch eine Spur von Unsicherheit oder Angst?

Versuche, ganz in diese neue Situation hineinzusinken, so als würdest du sie wirklich durchleben. Ist es so, wie du es dir vorgestellt hast? Nimm wahr, welche Bilder vor deinem inneren Auge erscheinen. Frage dich immer wieder, was du gerade spürst und fühlst. Falls Ängste aufkommen, lass auch diese einfach da sein und beobachte sie. Schaue hin, was hinter der Angst steckt, die gerade hochkommt.

Wenn du das Gefühl hast, genug Zeit in der neuen Situation verbracht zu haben, dann gehe aus dieser wieder heraus, zurück ins Hier und Jetzt, und spule von diesem Ausgangspunkt aus einige Jahre in die Zukunft vor – in eine Zeit, in der du dich schon zur Ruhe gesetzt hast und nunmehr als weise Beobachterin auf dich im Jetzt – unschlüssig, welche Entscheidung du treffen möchtest – schaust. Du siehst dein weises erfahrenes Ich als ältere Person in einem Schaukelstuhl sitzen. Bereit und voller Sehnsucht, ihren über die Jahre angesammelten Erfahrungsschatz mit dir zu teilen.

Welchen Ratschlag würde dir dein älteres, weises Ich für deine jetzige Situation geben? Lausche in dich hinein.

Wann immer du dafür bereit bist, nimm wieder ein paar tiefe Atemzüge. Wenn du deine Augen geschlossen hast, öffne die Augen wieder und wenn dir danach ist, mache dir in aller Ruhe ein paar Notizen zum soeben Erlebten.

Nachtrag zur Übung:

Was immer du aus dieser Übung für dich mitnehmen kannst, sie ist aus meiner Sicht eine wundervolle Gelegenheit, um zu spüren, wie es sich anfühlen könnte, wenn man eine Entscheidung getroffen hat. Auch damit einhergehende Ängste können durch sie gut aufgespürt und angegangen werden. Wunderschön finde ich auch den Abschluss mit der Begegnung seines älteren weisen Ichs, da ich dieses schon des Öfteren als wundervollen Wegweiser und Mutmacher einsetzen konnte.

Falls du mir ein Feedback zu deiner Erfahrung mit der Übung geben möchtest (einfach als Kommentar unten oder als E-Mail), würde ich mir sehr freuen.

Was ein Baum das Mädchen Esperanza über das Leben lehrte

Die heute von mir verfasste Kurzgeschichte handelt von dem Mädchen Esperanza, das eine große Leere in sich verspürt und seine Antwort überraschenderweise in einer Begegnung mit einem Baum findet.

Verzweiflung machte sich in Esperanza bemerkbar. Zu viele Sorgen machte sie sich ständig über dies und jenes, dabei hatte sie doch überhaupt keinen Grund, unzufrieden zu sein. Sie hatte einen gut bezahlten Job, ein soziales Umfeld, eine wundervolle Beziehung und genug Zeit und Geld, um sich gewünschte Dinge leisten zu können. Sie konnte reisen, gut essen gehen, Kleidung kaufen. Alles, was das Herz begehrte, oder?

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Als Geduld und Ungeduld einander begegneten

Einst lebten zwei völlig unterschiedliche und doch verwandte Wesen am gleichen Ort, das eine hieß Geduld – es wurde allerdings von den Menschen kaum wahr genommen, weil das andere Wesen – die Ungeduld – sich viel mehr in den Mittelpunkt zu stellen wusste. Geduld war eher unauffällig und ruhig, während Ungeduld durch die Straßen zog, sich überall vordrängte und stets zu verstehen gab, dass sie keine Zeit hatte zu warten. Ein teilweise recht unangenehmer Zeitgenosse, dachten sich die Menschen. Trotzdem war die Ungeduld allgegenwärtig und die Menschen konnten sich ihr nur schwer entziehen.

Woran das lag?

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Welche Rolle der goldene Mittelweg auch in der Achtsamkeit spielt

Lang sind sie vorbei – die Zeiten, in denen ich zumindest am Wochenende oftmals bis frühmorgens unterwegs war und gefeiert habe – der Rest meines Wochenendes bestand dann aus schlafen, schlafen und nochmals schlafen, wie ein Igel im Winterschlaf. Auch wenn ich es inzwischen – zumindest zumeist – eher bevorzuge, meine Wochenenden etwas ruhiger und vor allem mit mehr Zeit in der Natur zu verbringen – so merke ich doch, dass sich für mich im Vergleich zur damaligen Zeit der Feierlaune etwas verändert hat.

Es fühlt sich so an, als hätte mich die intensive Auseinandersetzung mit meiner Person, damit verbunden eine gewisse Aufarbeitung von Mustern aus der Vergangenheit und dann noch der Kontakt mit den Themen „Achtsamkeit“ und „Meditation“ im Vergleich zu früher teilweise etwas beschwerter gemacht. Und es scheint so, als würde es mir inzwischen schwerer fallen, mich in gewissen Situationen zu integrieren.

Warum ich mich beschwerter fühle

Früher war auch ich beteiligt an Gesprächen, in welchen über dies & das gelästert wurde, sei es über Mitmenschen, Politiker oder die nervige Arbeit. Auch ich habe mich über Menschen aufgrund ihres Aussehens oder ihrer Art lustig gemacht, ohne den Hauch eines schlechten Gewissens zu haben. Es gehörte einfach dazu – man gehörte dadurch einfach dazu. Auch machte es mir nichts aus, in einem Restaurant zu essen, in welchem der Lärmpegel fast ein Rockkonzert überstieg.

Inzwischen merke ich, dass ich viele Gespräche als sehr oberflächlich empfinde und dann eher still werde, währenddessen ich mit den richtigen Gesprächsthemen so richtig aufblühe und aus mir herausgehe. Auch versuche ich, das Lästern über andere gänzlich sein zu lassen. Natürlich kann es hie und da passieren, dass ich – und dann aus Wut – ein schlechtes Wort über jemanden fallen lasse, aber mir geht es dann selbst schlecht dabei. Das, was mir früher egal war, nehme ich zwischenzeitlich um ein Vielfaches mehr in mir auf und reflektiere es.

Zusätzlich merke ich auch, dass ich sehr sensibel auf negative Stimmungen und Lärm rund um mich reagiere.

Viele der Empfindungen waren wahrscheinlich schon viel früher in mir, mir ist aber klar geworden, dass ich sie inzwischen durch die regelmäßige Übung einfach bewusster wahrnehme und ich feinfühliger geworden bin. Klingt anstrengend, ich weiß und vielleicht kennst auch du diese Situationen und fragst dich, wie du besser damit umgehen kannst?

Wie mit den neuen Empfindungen umgehen?

Ich für meinen Teil stelle mir schon seit geraumer Zeit diese Frage. Und oft genug höre ich auch innere Selbstzweifel, ob dies – nämlich der Weg der Persönlichkeitsarbeit, Achtsamkeit und Meditation – denn der richtige Weg sei und ich denn nicht besser dran wäre, wenn ich aufhören würde, soviel hinzuhören und auch zu hinterfragen?

Die Antwort, die ich darauf für mich gefunden habe, ist, dass ein Weg – egal in welche Richtung er geht – nicht in ein Extrem ausschlagen sollte. Der goldene Mittelweg – über ihn hat auch Buddha schon gelehrt. Auf meine Situation umgelegt bedeutet das für mich, dass ich auch Alltagsgesprächen eine Chance gebe, um so in Kontakt mit meinen Mitmenschen zu kommen und nicht nur spirituelle Gespräche suche. Auch merke ich, dass ich mich nicht gänzlich dem Stadtlärm entziehen sollte, da mich das nur in die Isolation treiben würde und somit auch meine Toleranz für Lärm nach und nach weiter sinken würde.

Und es muss nicht jede Situation und Begegnung auf die Waagschale gelegt werden. Auch wenn gesagt wird, dass jede Begegnung eine Bedeutung hat, frage ich mich, ob es denn nicht auch sein, dass man einfach einmal zur falschen Zeit am falschen Ort ist und eine Situation eben nichts mit einem persönlich zu tun hat?

Auch Spaß muss sein

Und was für mich das Allerwichtigste ist: dass ich trotz der intensiven Auseinandersetzung mit Achtsamkeit und Meditation noch Spaß haben und es mir auch mal erlauben kann, einfach weniger achtsam zu sein. Damit meine ich keine Rücksichtslosigkeit mir selbst und der Umwelt gegenüber, sondern mir einfach mal eine Pause zu gönnen und mich treiben zu lassen und wenn mir danach ist, auch wieder einmal auf den Putz zu hauen.

Die Auseinandersetzung mit sich selbst, seinen Schwächen und Gewohnheiten aus der Vergangenheit ist zwar schön, da man viel lernen und dadurch auch verändern kann, aber sie ist natürlich auch anstrengend. Und ich habe das Gefühl, dass wir genau in solchen Momenten vergessen, dass wir auch ein bisschen unbeschwerter sein dürfen.

Leben – Lieben – Lachen, das alles hat schon Osho (ein leider bereits verstorbener, aber für mich sehr inspirierender, wenn auch provokanter Philosoph aus Indien) zelebriert und an seine Mitmenschen weitergegeben bzw. weiterzugeben versucht. Ein Zitat von ihm lautet:

Fange an, diesen Moment zu leben und du wirst sehen – je mehr du lebst, desto weniger Probleme wird es geben.

Kein Wunder also, dass zum Beispiel die von ihm geschaffene Kundalini-Meditation (eine sehr empfehlenswerte 4-Phasen-Meditation mit dynamischen Elementen) auch freies Tanzen zum Thema hat.

Und vielleicht kennst du auch den Spruch:

Tanze, als ob dich niemand beobachten würde.
Liebe, als wärest du niemals verletzt worden.
Singe, als ob dich niemand hören könnte.
Lebe, als sei der Himmel auf Erden. (Souza)

Somit möchte ich dir sagen

Es kann beides nebeneinander Platz haben:
Wir können ernst sein, aber auch Spaß haben.
Wir können Belangloses reden – aber auch achtsame Worte finden.
Wir können alle Situationen hinterfragen – aber sie auch einfach annehmen.

Und: Wir können andere Menschen so sein lassen, wie sie sind. Denn was ich mir inzwischen bewusst bin: Nur weil ich für mich diesen Weg gefunden habe, muss das noch lange nicht der Weg für jeden anderen sein.

Falls du beispielsweise Menschen in deinem Umfeld hast, die du unbedingt davon überzeugen möchtest, dass der Weg, den du für dich gefunden hast, auch ihnen helfen kann, so möchte ich dir den Tipp geben, einfach ein Vorbild zu sein. Das kann – wenn die Saat gesät ist, am meisten bewirken.

Für heute möchte ich mich mit folgendem Zitat von dir verabschieden:

Wenn wir Freude am Leben haben, kommen die Glücksmomente von selber. (Ernst Ferstl)

Falls du Lust hast, mir von deinen eigenen Erfahrungen zu erzählen, würde ich mich freuen, von dir zu lesen.

Wie der Lärm und die Stille von Gegnern zu Freunden wurden

Es waren einmal zwei Personen, die gar nicht miteinander konnten. Die eine hieß Lärm und die andere Stille. Sie hielten es nie am gleichen Ort aus, denn wenn der Lärm schon da war, sah sich die Stille in Gefahr und umgekehrt.

Der Lärm konnte einfach nicht verstehen, wie die Stille so ganz ohne ihn auskommen konnte und warum sich die Stille immer die Ohren zuhielt, wenn sie ihn schon von Weitem sah.

Die Stille wiederum fand den Lärm einfach rücksichtslos. Denn selbst wenn sie ihn noch nicht einmal sehen konnte, so konnte sie ihn schon aus kilometerweiter Entfernung hören. Das wühlte die Stille, die sonst die Einsamkeit gewohnt war, immer sehr auf.

Kaum war der Lärm in ihrer Nähe, konnte sie sich auf nichts anderes mehr konzentrieren, es war alles so laut in ihren Ohren und es schien so, als würde es nur noch den Lärm rund um sie geben. Der Lärm brachte sie einfach vollkommen durcheinander. Er hingegen fand die Stille einfach nur stinklangweilig. Was kann das nur für ein einsames, trauriges Leben sein, dachte er sich immer, wenn er die Stille aus der Ferne sah. Im Inneren aber spürte er, dass von der Stille eine unglaubliche Macht ausging. Die wenigen Momente, in denen er völlig ungeplant mit ihr konfrontiert wurde, hatte er irgendwie das Gefühl, eine Stimme zu hören. Es schien so, als würde ihm diese Stimme seinen wahren Weg und seine Bedürfnisse, die er sonst nie hören kann, offenbaren wollen.

Was weder der Lärm noch die Stille wussten: Sie hatten eine gemeinsame Freundin – die Toleranz.

Die Toleranz konnte sich den offensichtlichen Konflikt zwischen der Stille und dem Lärm nicht mehr mitansehen und schmiedete einen Plan. Ohne, dass der Lärm und die Stille irgendetwas ahnten, lud die Toleranz sie beide zur gleichen Zeit in ihr Lieblingslokal – den köstlichen Frieden – ein. Der Lärm kam kurz nach der Stille im Lokal an und als er sie und die Toleranz am gleichen Tisch sitzen sah, konnte er keinen Rückzieher mehr machen und gesellte sich mit einem inneren Widerstand zu ihnen.

Anfangs noch in Angriffslaune und völlig ohne Verständnis für sein Gegenüber lauschte der Lärm der Stille und merkte immer mehr, wie seine anfängliche Ablehnung plötzlich zu Neugier und Interesse wurde. Die Art und Weise, wie die Stille von ihren Erfahrungen berichtete, war für ihn völlig neu und doch irgendwie bekannt. Denn die Stille erzählte genau von dieser inneren Stimme, die er ja selbst auch schon wahrgenommen hatte und die ihr offensichtlich den Mut gab, ihren eigenen Weg zu gehen.

Umgekehrt konnte aber auch die Stille beginnen, sich in Anwesenheit von Lärm wohl zu fühlen, da sie merkte, dass es ganz an ihr lag, in seiner Anwesenheit trotzdem bei sich bleiben zu können. Es wurde ihr klar, dass der Lärm genauso wie sie zum Leben gehörte und neben ihr existieren konnte, ohne dass sie um ihre Existenz bangen musste.

Nach diesem Abend war es dem Lärm und der Stille endlich möglich, einander freundlich zu begegnen. Und die Toleranz freute sich, dass sie wieder einmal zwei Gegner zu einem Miteinander bewegen konnte.

Warum es hilft, sich der Vergänglichkeit bewusst zu sein

Sterben? Tod? Das Ende?

Wie geht es dir, wenn du diese Worte liest? Fühlt sich das alles für dich noch in weiter Ferne an? Lösen diese Worte etwas Unbehagen aus? Oder blickst du diesem Thema völlig gelassen entgegen?

Gerade kürzlich wurde ich mit dem Tod konfrontiert, völlig überraschend. Obwohl es niemand aus der engsten Familie war, so war es doch jemand, den ich von Kindestagen an kannte und der sehr plötzlich von uns gegangen ist. Als ich die Nachricht gelesen habe, war in meinem Büro gerade eine hitzige Diskussion zugange. Über dies und das. Was es war, hat inzwischen vermutlich jeder der Beteiligten schon wieder vergessen, in jenem Moment schien es aber das Bedeutendste der Welt zu sein.

Es bedurfte nur das Lesen des Wortes „gestorben“, um mich in Sekundenschnelle wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Bumm zack. Innerhalb von Minuten oder sogar Sekunden kann sich alles ändern und dann? Nichts würde mehr so sein, wie es mal war.

Wie uns das Bewusstmachen von Vergänglichkeit helfen kann

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Warum Bewerten nur eine Form von Mutmaßen ist

Die Geschichte von Vater, Sohn und Esel

Ein Vater zog mit seinem Sohn und einem Esel in der Mittagshitze durch die staubigen Gassen. Der Sohn führte und der Vater saß auf dem Esel.

„Der arme kleine Junge“, sagte ein vorbeigehender Mann. „Seine kurzen Beine versuchen, mit dem Tempo des Esels Schritt zu halten. Wie kann man nur so faul auf dem Esel sitzen, wenn man sieht, dass das Kind sich müde läuft?”

Der Vater nahm sich dies zu Herzen, stieg hinter der nächsten Ecke ab und ließ den Jungen aufsitzen.

Es dauerte nicht lange, da erhob schon wieder ein Vorübergehender seine Stimme: „So eine Unverschämtheit! Sitzt doch der kleine Bengel wie ein König auf dem Esel, während sein armer, alter Vater nebenherläuft.“ Dies tat nun dem Jungen leid und er bat seinen Vater, sich mit ihm auf den Esel zu setzen.

„Ja, gibt es sowas?“, sagte eine alte Frau. „So eine Tierquälerei! Dem armen Esel hängt der Rücken durch und der junge und der alte Nichtsnutz ruhen sich auf ihm aus. Der arme Esel!“

Vater und Sohn sahen sich an, stiegen beide vom Esel herunter und gingen neben dem Esel her. Dann begegnete ihnen ein Mann, der sich über sie lustig machte: „Wie kann man bloß so dumm sein? Wofür hat man einen Esel, wenn er einen nicht tragen kann?“

Der Vater gab dem Esel zu trinken und legte dann die Hand auf die Schulter seines Sohnes. „Egal, was wir machen“, sagte er, „es gibt immer jemanden, der damit nicht einverstanden ist. Ab jetzt tun wir das, was wir selber für richtig halten!“ Der Sohn nickte zustimmend.

(Aus dem Buch „Der Kaufmann und der Papagei“ von Nossrat Peseschkian)

Die Geschichte hat mich einerseits zum Schmunzeln, anderseits aber auch zum Nachdenken gebracht.

Wie oft bewerten wir?

Als ich mir nämlich die Frage stellte, wie oft ich eine Situation bewerte, obwohl ich nur einen Ausschnitt von ihr wahrnehme, wurde mir etwas anders. Die ehrliche Antwort: so gut wie immer. Vermutlich hätte ich in der Geschichte zuvor auch einer der Vorübergehenden mit ähnlichen Gedanken sein können.

Was löst die Geschichte in dir aus? Kannst du voller Überzeugung sagen, dass du keine verurteilenden Gedanken gehegt hättest?

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Warum wir die Welt so sehen, wie wir sind

Einleitend eine Sufi-Geschichte:

Ein Wanderer ist auf Zimmersuche in einer neuen Stadt. Er befragt den örtlichen Weisen:
Meister, wie sind die Menschen in dieser Stadt?

Der Meister stellt ihm eine Gegenfrage:
Wie sind die Menschen in der Stadt, aus der du gezogen kommst?
Oh, dort waren alle Gesindel, Tagediebe und Hungerleider.

Der Weise rät dem Fremden:
Freund, ziehe weiter. Die Städter hier sind auch so.

Stunden später erscheint ein anderer Wohnungssuchender bei dem Weisen, um ihn zu fragen:
Meister, wie sind die Menschen in dieser Stadt?

Entgegnet der Weise:
Wie sind die Menschen dort, wo du bisher gelebt hast?

Antwortete der Wanderer:
Oh, Ich bin ungern weggezogen, weil sie alle so freundlich, hilfsbereit, herzensgut und zuvorkommend sind.

Rät ihm der Meister:
Freund, bleibe hier. Wir sind ebenso!

Was mich die Geschichte (gefunden auf spiritualwiki.org) persönlich lehrt?

Dass ich es selbst bin, die die Welt in gut oder böse, schön oder hässlich, friedvoll oder konfliktvoll, freudig oder deprimierend einteilt.

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